Dialog
„ ...Seine Porträts sind seine Art, zu seinem Publikum Kontakt aufzunehmen – ein wenig ähnlich wie ein Dialog zwischen zwei Menschen. ...Seine Gesichter sind zeitlose Dokumente alltäglicher Leute – vom traurigen alten Mann, der verloren seine leere Flasche ansieht, über den zufriedenen Fischer in Penang, bis zur Gruppe von Kindern die beim Spielen zusammenkauert, der Fotograf scheint seinen Protagonisten mehr als gerecht geworden zu sein. ...Barthelmes’s Fotografien haben eine besondere Art von „Energie“, die nicht nur die Oberfläche eines Gesichtes zeigen. ...Überraschend ist, dass Ruhm hier keine wichtige Rolle spielt, besonders für jene, die qualitativ anspruchsvolle Fotografie wertschätzen. ...“
vom 30.11.1999
zur faces - Austellung
»..., weil die Blicke der Frauen von unübersehbarem Stolz künden und ihre bloßgestellten Körper so inszeniert sind wie architektonische Meisterleistungen. ...«
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
FAZ am 22.12.2001

Perspektiven
»Die sinnlich-erotischen Perspektiven in den faszinierenden Aufnahmen des Fotografen und Musikers Johannes Barthelmes sind nicht nur Zeugnisse eines wohltemperierten Talents für das gekonnte Abbilden weiblicher Schönheit, sondern auch Ausdruck einer modernen und gefühlvollen Sicht auf die Rolle der Frau in der Erotik. Sowohl Selbstbewußtsein, weibliche Stärke und Mut zur Selbstironie, als auch Leidenschaft, Hingabe und Verführung sind bei aller Ästhetik wesentliche Elemente in den meisterhaft inszenierten Arbeiten des Künstlers. Eigenschaften also, die nicht nur die Männerwelt, sondern auch die eine oder andere Dame zu inspirieren und zu begeistern vermögen.«
K. SCHÖNINGER
www.erozuna.de
ex tempore – mit Licht den Jazz malen
Ausstellung Altstadthalle Zug, Schweiz, April 2013
Die Fotografien des Künstlers Johannes Barthelmes sind wie Fenster in eine andere Welt. Sie zeigen in Zeiten voller Hektik, Schnelllebigkeit und vermeintlicher Perfektion Augenblicke der Ruhe und der in ihnen wohnenden Schönheit. Sie offenbaren uns Betrachterinnen und Betrachtern das besondere Auge des Fotografen Johannes Barthelmes und laden ein, an diesen besonderen Momenten teilzunehmen; Momente, die er mit geübtem Blick und sensibel eingesetzter Kamera eingefangen hat.
Mit Licht malen – war in der Geburtsstunde der Fotografie erklärende wie verunglimpfende Umschreibung des fotografischen Verfahrens gleichermassen. Denn während bei der hohen Kunst, also der Malerei, der Künstler seine Schöpferkraft und sein Genie durch die Hand mit dem Pinsel auf die Leinwand übertrug, überliessen die Fotografen diesen Akt ganz offensichtlich einem Apparat. Und dieser konnte ohne grosses Genie von jedermann bedient werden und folglich war das Ergebnis keine Kunst. Dieser Zirkelschluss ist längst Geschichte geworden und die Lichtmalerei, die Johannes Barthelmes in seinen Fotografien betreibt, ist alles andere als eine, die ohne sein Zutun einfach so durch den Einfluss von Licht passiert. Vielmehr zeigen seine Arbeiten in Farbe und Schwarzweiss seinen bewussten Umgang mit Licht. So verleiht er seinen Aufnahmen mal eine sanfte Stufung von Grautönen und mal einen deutlichen Wechsel von Hell nach Dunkel, mal sind es besonders die Farbkontraste, die den Aufnahmen zusätzlich eine jeweils eigene Stimmung verleihen. Barthelmes versteht es auf vielfache, innerbildliche und technische Art und Weise die Einzelheiten seiner Aufnahmen zu einem grossen Ganzes zu komponieren und vereint in seinen Werken die gesamte Klaviatur von Licht und Schatten, Schwarzweiss und Farbe, Schärfe und Unschärfe, Perspektive und Kameraposition sowie Distanz und Nähe.
Mit Licht den Jazz malen – verweist auf Barthelmes als Tenorsaxophonist und hier insbesondere auf einen Musiker und Künstler, der nicht in Kategorien denkt und arbeitet, sondern Kraft, Motivation und Inspiration aus verschiedenen Bereichen schöpft, die er miteinander verbindet und aufeinander reagieren lässt. Und dieses Changieren zwischen Barthelmes als Solitär und Barthelmes als Teil eines Kollektivs begleitet ihn seit je als gefeierten Jazzmusiker, in dem er auf der Basis seiner eigenen Kompositionen spielt, aufnimmt, loslässt und aus dem Moment heraus jeweils reagiert: also ex tempore – aus dem Moment heraus, aus dem Stegreif. Und wenn Johannes Barthelmes in einem Interview mit dem deutschen Südwestfunk 1994 gesagt hat, dass er stets versuche, den Sound nicht nach einem Instrument klingen zu lassen, sondern nach Mensch, dann gilt dies in gleichem Masse für seine Fotografien.
Ex tempore – mit Licht den Jazz malen – ist als eine Hommage an die Menschen zu lesen, als Hommage an das Leben, an den Moment. Johannes Barthelmes bereiste mit der Fotokamera Kuba und Indien, fotografierte auf Kreta, in Grossstädten wie Berlin und New York. Mit aussergewöhnlichem Auge für besondere Momente schafft er es offensichtlich, eine grosse Intimität zwischen sich und den fotografierten Menschen herzustellen. Es berührt uns als Betrachterinnen und Betrachter Zeuge dessen zu sein, was sich vor der Kamera abgespielt hat. Es muss eine besondere Vertrautheit gegeben haben, um derart die verschiedenen Menschen fotografieren zu dürfen. Ich denke den Fotografen als langsamen Wandler mit Zeit und Musse, der genau dann inne hält und verweilt, um zu beobachten, zu staunen, wahrzunehmen und erst dann zu fotografieren, wenn wir bereits weiter gehen. Seine Aufnahmen erinnern ein Stück weit an die Aufnahmen des Magnum-Fotografen Werner Bischof, der in Europa, Indien, China und Korea fotografierte oder an die des so genannten Fotografen-Flaneurs Henri Cartier-Bresson, der ebenfalls spät die Fotokamera für sich entdeckte, um damit Geschichte schreibende Aufnahmen vom Pariser Alltag sowie von seinen Reisen durch verschiedene Länder Nord- und Südamerikas und Asiens zu realisieren. Barthelmes’ Fotografien spiegeln eben jene Nähe und Liebe zu den Menschen auf eine ganz eigene Art wider. Fotografiert er sie in Situationen in der Öffentlichkeit, so gibt er ihnen durch die Wahl der Perspektive und Kameraposition, durch die Arbeit mit Schärfe und Unschärfe und durch seine Arbeit mit Tonwerten einen eigenen gewissermassen geschützten Rahmen, in dem sie als Teil der Aufnahme diese prägen. Ebenso verfährt er bei seinen Aktfotografien: es scheint, als überlässt er es den fotografierten Personen, ihre Geschichte auf ihre ganz eigene und persönliche Weise zu erzählen, mal kurz und direkt, und ein anderes mal ausgeschmückt und verschlüsselt. Unabhängig davon, was Johannes Barthelmes seit gut dreizehn Jahren – ausgezeichnet mit internationalen Preisen – mit der Kamera festhält, er schaut genau hin, er nimmt es wahr, hört geduldig zu und erst dann fotografiert er ex tempore.
© Dr. phil. Mandy Gnägi, Zürich, 4/2013
Sinnlichkeit
»...Ich bin in den gut zwanzig Jahren, in denen ich weltweit Ausstellungen für die anerkanntesten Museen und Galerien organisiert habe (darunter zwei für und mit Barthelmes in der Nationalgalerie Kuala Lumpur/Malaysia und in der Galerie "Space 2324", nur selten auf Künstlerpersönlichkeiten gestossen wie Barthelmes. Seine Fotos, Porträts und Akte, sind nicht nur ein ästhetischer Genuss, sie sind Ausdruck der Liebe und Verehrung für die Menschen, die Barthelmes mit seiner Kamera festhält.
Kunst ist immer Abstraktion von Realität und nie die versuchte Kopie von Realität. Barthelmes Porträts und Akte sind keine platten Ablichtungen. Seine Porträts dokumentieren keine Gesichter, sie erfassen den Charakter der Person. Seine Akte beschreiben die Schönheit des weiblichen Körpers als ästhetischer Ausdruck.«
GERHARDT ENGELKING
(Leiter Goethe-Institut Kuala Lumpur, Malaysia)
Bangkok, den 25.11.2002
„...Aber diese acht zeigen interessante Studien der weitläufigen unvereinbaren Kunstpraktiken im Neuen Deutschland... ihr Potenzial führt ins neue Jahrtausend...“
NEW STRAIGHT TIMES vom 29.06.1999
zur German Art of the 90's- Ausstellung
»...Ein Meister der Aktfotografie!...«
TV BERLIN
am 16.01.2002
JOHANNES BARTHELMES' HUMANISTISCHES ERBE
von Jorge Rivas Rodríguez
TRABAJADORES 23.04.2012, HAVANNA, KUBA
Übersetzung: Johanna Richter
(Auszüge)
Seit den Anfängen der fotografischen Kunst haben die Kreativen der Linse ihre Aufmerksamkeit auf die Städte und ihre Bewohner gerichtet: nicht nur wegen der historischen und kulturellen Bedeutung dieser Art von Fotografie, sondern auch, weil die urbane Landschaft dem künstlerischen Ausdruck unendlich viele Möglichkeiten bietet. In ihr treffen Architektur und Elemente der Natur wie Flüsse, Bäume und Tiere aufeinander sowie –als eines dieser Elemente – der Mensch als Protagonist des städtischen Umfelds. Das Nutzen dieser Kompositionsvorteile erfordert vor allem Kühnheit, Geschicklichkeit und einen meisterhaften Umgang mit der Kamera.
Diese Tugenden konnten wir in der Ausstellung des bekannten deutschen Fotografen Johannes Barthelmes (geb. in Speyer, 1953; seit mehr als 30 Jahren in Berlin wohnhaft) erleben. Seine Werke haben in der zentral gelegenen Galerie Orígenes gegenüber dem Parque Central, einem der Veranstaltungsorte der sich bereits nähernden Biennale von Havanna, mit denen des kubanischen Malers Bárbaro M. Reyes, „Pango“ (geb. in Matanzas, 1971) dieselben Räumlichkeiten geteilt.
In der Ausstellung, die den Titel "Mente Desnuda" trägt, zeigt der Fotograf eine Zusammenstellung von Bildern, die er während seiner Reisen nach Indien und Kuba aufgenommen hat. Es handelt sich um Werke, die unendlich viele Informationen über das Wesen dieser beiden Länder bieten, die so entfernt und so unterschiedlich voneinander sind und die das Wunder der Fotografie und die kuratorische Arbeit zusammenbringen konnten, um uns vom Leben, den Gewohnheiten, der Geschichte und den Mentalitäten dieser Nationen zu erzählen. Die Vereinigung ergibt sich vor allem durch das Interesse des Künstlers, seine Aufmerksamkeit nicht auf die Schönheit der Umgebung zu richten – die dennoch implizit in jedem einzelnen seiner Stücke vorhanden ist –, sondern auf die wunderbare Fähigkeit, menschliche Landschaften voller Alltagsleben festzuhalten.
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Dieser Künstler setzt seine Ideen um und ist sich dabei darüber bewusst, dass jedes Land, jedes Volk, jede Gemeinschaft ganz eigene Ausdrucksformen hat. Er vollbringt sein Handwerk mit einer vollständigen Beherrschung der Techniken, die sich vor allem im meisterhaften Umgang mit Perspektiven und Kontrasten zeigt: sowohl in den Farbbildern wie auch in den Schwarz-Weiß-Bildern, in denen er seine Originalität in dem Maße potenziert, wie er mit den Mitteln spielt, die jede Landschaft und jedes Individuum im close up vor seiner Linse platzieren. Es scheint fast als würde ein sechster Sinn den Auslöser betätigen – unmittelbar in jenem Moment, in dem er den Ausdruck der Individuen und Gruppen intuiert, die er porträtiert – mit dem Anspruch das abzubilden, was für das Auge nicht sichtbar ist. Der ebenfalls als Saxophonist und Jazz-Komponist international bekannte Barthelmes (zwischen 1975 und 1980 studierte er Musik in Graz, Österreich), reflektiert in seinem fotografischen Werk das Leben der Völker, dieser großen, armen Menschheit, die nicht in den luxuriösen touristischen Katalogen erscheint.
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Es ist ein wunderbares, durch und durch humanistisches Erbe, das das gesamte Werk dieses unprätentiösen und sensiblen Meisters durchzieht, welcher uns durch seine Kunst und seine Freundschaft ehrt.
TRABAJADORES 23.04.2012, HAVANNA, KUBA
von Jorge Rivas Rodríguez
Übersetzung: Johanna Richter